Wie viel BU-Rente brauchst du wirklich?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) gehört zu den wichtigsten Absicherungen überhaupt. Trotzdem sichern viele Menschen viel zu wenig BU-Rente ab. Das Ergebnis: Im Ernstfall reicht das Geld nicht, um Miete, Lebenshaltung und Verpflichtungen zu bezahlen. Dabei lässt sich die optimale BU-Rentenhöhe mit ein paar klaren Regeln und realistischen Zahlen sehr einfach bestimmen.

Warum die richtige BU-Rentenhöhe entscheidend ist

Die BU ersetzt dein Einkommen, wenn du nicht mehr arbeiten kannst. Ohne ausreichende BU-Rente entsteht eine Versorgungslücke, die deinen gesamten Lebensstandard gefährdet. Besonders relevant: Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente reicht fast nie aus und fällt oft niedriger aus als erwartet.

Mit der richtigen BU-Rentenhöhe stellst du sicher, dass du deine Fixkosten deckst und dein Leben ohne finanzielle Not weiterführen kannst.

Grundlagen: Was die BU-Rente eigentlich absichert

Einkommen ersetzen

Die BU-Rente soll dein Nettoeinkommen so weit wie möglich ersetzen. Sie springt ein, wenn du dauerhaft nicht mehr arbeiten kannst – egal ob durch Krankheit, Unfall oder psychische Belastung.

Fixkosten decken

Die BU-Rente ist vor allem dazu da, deine monatlichen Verpflichtungen zu sichern:

  • Miete oder Immobilienkredit
  • Lebensmittel und Haushalt
  • Krankenversicherung
  • Auto & Mobilität
  • Kommunikation & Internet
  • Versicherungen & Beiträge
  • Kinderbetreuung

Schutz vor langfristigen Einkommenslücken

Eine BU kann Jahrzehnte lang zahlen – teilweise bis zum Rentenalter. Eine zu niedrige BU-Rente summiert sich dann über die Jahre zu einer massiven Unterdeckung.

Was du bei der Berechnung unbedingt beachten musst

Laufende Fixkosten

Zunächst musst du alle Kosten berechnen, die jeden Monat sicher anfallen. Diese Kosten müssen zu 100 % durch die BU-Rente gedeckt werden.

Variable Kosten

Plane realistisch: Auch im BU-Fall brauchst du Freizeit, Kleidung, Lebensqualität. Viele Menschen kalkulieren zu knapp – und ärgern sich später.

Zukünftige Kostensteigerungen

Inflation, steigende Nebenkosten und Gesundheitskosten wirken langfristig. Eine BU-Rente ohne Dynamik verliert über die Jahre an Kaufkraft.

Die 70%-Regel für die optimale BU-Höhe

Als Faustregel gilt: Deine BU-Rente sollte etwa 60–70 % deines aktuellen Nettoeinkommens betragen. Beispiel: Wer 2.500 € netto verdient, sollte ca. 1.600–1.800 € BU-Rente absichern.

Warum 1.000–1.500 € oft nicht reichen

Viele Menschen wählen diese Werte, weil sie „üblich“ oder „bezahlbar“ erscheinen. Realistisch reichen sie aber meist nicht, um Miete und Lebensstandard zu halten.

Warum zu niedrige BU-Renten zum Problem werden

Eine zu geringe BU-Rente bedeutet:

  • kein Geld für Rücklagen
  • Druck, trotz Krankheit arbeiten zu müssen
  • finanzielle Abhängigkeit von Partner oder Eltern
  • Verlust der finanziellen Freiheit

BU-Rentenhöhe nach Lebenssituation

Auszubildende & Studenten

Ideal: 1.000–1.500 € Vorteil: extrem günstige Beiträge bei frühem Abschluss.

Berufseinsteiger

Ideal: 1.500–1.800 € Tipp: Dynamik einschließen, um bei steigendem Einkommen nachziehen zu können.

Familien & Alleinerziehende

Ideal: 1.800–2.500 € Kinder erhöhen die finanzielle Verantwortung deutlich.

Selbstständige

Ideal: 2.000–3.000 € Achtung: Kein Arbeitgeberzuschuss, keine Absicherung durch Sozialkassen.

Besserverdiener

Ideal: 3.000 € oder mehr, je nach Lebensstandard.

Die Rolle der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente

Warum sie nicht ausreicht

Die durchschnittliche Erwerbsminderungsrente liegt bei ca. 900 €. Für viele reicht das nicht einmal für die Grundkosten des Lebens.

Wie groß die Versorgungslücke wirklich ist

Beispiel:
Netto: 2.300 €
BU-Rente: 0 €
Erwerbsminderung: ca. 900 €
Lücke: 1.400 € jeden Monat.

Beispielrechnungen aus der Praxis

Single ohne Kinder

Einkommen: 2.000 € netto Empfohlene BU-Rente: 1.200–1.400 €

Familie mit zwei Kindern

Einkommen: 3.000 € netto Empfohlene BU-Rente: 2.000–2.300 €

Selbstständiger

Einkommen: 4.000 € netto Empfohlene BU-Rente: 2.500–3.000 €

Wie sich die BU-Rente auf deinen Beitrag auswirkt

Warum mehr Schutz oft nur wenige Euro kostet

Überraschend: Ein Plus von 200–300 € BU-Rente kostet oft weniger als 10–20 € mehr Beitrag. Viele sparen hier am falschen Ende.

Optimale Kombination aus Rente & Laufzeit

Experten empfehlen, die BU mindestens bis zum 67. Lebensjahr laufen zu lassen – sonst entsteht eine gefährliche Lücke bis zur Rente.

Zusätzliche Leistungen, die sinnvoll sind

Leistungsdynamik

Erhöht die BU-Rente im Leistungsfall jährlich → schützt vor Inflation.

Beitragsdynamik

Erhöht deine BU-Rente während der Ansparphase automatisch → ideal für steigende Einkommen.

AU-Klausel

Sehr wichtig: Die BU zahlt bereits bei längerer Krankschreibung, ohne Nachweis der Berufsunfähigkeit.

Häufige Fehler bei der BU-Rentenwahl

Zu niedrige Absicherung

Die meisten BU-Policen sind zu gering abgesichert – und fallen im Ernstfall sofort auf.

Fehlende Dynamik

Ohne Dynamik wird die Rente durch Inflation jedes Jahr weniger wert.

Zu kurze Laufzeit

Eine BU bis 60 oder 62 ist gefährlich – die letzten Jahre bis zur Rente musst du dann selbst finanzieren.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur BU-Rentenberechnung

  1. Notiere alle monatlichen Fixkosten.
  2. Addiere variable Kosten realistisch.
  3. Berücksichtige Krankenversicherung & Rücklagen.
  4. Ziehe die mögliche Erwerbsminderungsrente ab.
  5. Sichere die Differenz + 10–20 % Puffer ab.
  6. Wähle BU bis 67 mit Dynamik.

FAQs

1. Wie viel BU-Rente empfehlen Experten?

Etwa 60–70 % des Nettoeinkommens.

2. Kann ich die BU-Rente später erhöhen?

Ja – viele Tarife bieten Nachversicherungsgarantien ohne Gesundheitsprüfung.

3. Was passiert, wenn ich zu wenig absichere?

Du rutschst im Leistungsfall schnell in eine finanzielle Notlage.

4. Reicht eine BU-Rente von 1.000 €?

In den meisten Fällen nein – außer dein Lebensstandard ist sehr niedrig.

5. Ist die BU wirklich so wichtig?

Ja. Statistisch wird jeder vierte Erwerbstätige berufsunfähig.

Fazit

Die richtige BU-Rentenhöhe ist entscheidend, um im Ernstfall finanziell abgesichert zu sein. Ziel sollte immer sein, deinen aktuellen Lebensstandard zu sichern – nicht das absolute Minimum. Mit 60–70 % des Nettoeinkommens, einer Laufzeit bis 67 und sinnvoller Dynamik triffst du die beste Wahl.

Wenn du herausfinden willst, welche Höhe in deinem Fall ideal ist, lohnt sich eine unabhängige Beratung – besonders, weil jeder Beruf, jedes Einkommen und jede Lebenssituation anders ist.